Märchen einmal anders, Blauer Salon, Kirchenkreis Kleve

Auf die freundliche Einladung von Sybille Schumann hin, der Frau für die Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Kleve, konnte ich am 20. Februar in der Nierstraße 1 in Goch kurdische Märchen vorlesen.

Stefan Schmelting, der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Kleve schrieb auf der kirchlichen Website dazu:

„Märchen, da hat jeder sofort ein Bild: Heile Welt, ein Prinz eine Prinzessin, ein Schloss und eine böse Stiefmutter. Märchen aus einem anderen Kulturkreis hingegen las Pfarrer Michael Schuck während eines „Gesprächs im Blauen Salons" der Fachgruppe Älterwerden und der Erwachsenenbildung im Ev. Kirchenkreis Kleve vor.

Märchen aus Kurdistan. Gelegen in einem Quadrat der Länder Iran, Irak, Syrien und der Türkei. Schuck schreibt aktuell an einer Biografie der Familie Osman Güden, ein Ezide aus Kalkar. Ihm wurden als Kind diese Märchen erzählt, sie sollen auch Teil der Biografie sein, die voraussichtlich in diesem Jahr erscheint.

„Die Märchensammlung etwa der Gebrüder Grimm ist ein Sammelsurium von Geschichten, die in mittelalterlichen Kontexten spielen", so Schuck. Anders die Märchen aus Kurdistan, sie nehmen eher Bezug auf aktuelle Probleme, wie etwa Vertreibung, Armut, soziale und familiäre Probleme.

Die Märchen aus Kurdistan haben mit der heilen Welt westlicher Märchen bisweilen nicht viel gemein. Ein Märchen heißt: „Von dem Fürst, der sein Glied verlor". Eine Geschichte von der Suche nach einem beschwerdefreien Leben. Eine andere Geschichte, die Schuck den 35 Anwesenden vortrug, endete tödlich: Ein armer Mann verstand die Hinweise des „Felek", einem von Gott erfüllten Wesen, nicht. Es hatte dem armen Mann einen kryptischen Hinweis gegeben, wie er an Reichtum kommen könnte. Doch nach zweimaligem  Übersehen dieser Möglichkeit verlor der Mann selbst sein Leben.

Den Märchen konnte man gut zuhören, auch weil der Ausgang nicht vorhersehbar war. Sie sind sicher nicht immer (nur) für Kinderohren bestimmt. Eine dritte Geschichte trug den Titel „Der Henker von Ägypten". Sie handelt eigentlich vom Thema Menschenwürde", so Schuck. Denn der Henker darf auch trotz jahrzehntelangen Tötens anderer Menschen aufgrund eines bestandenen Testes doch in den Himmel kommen.“

 

Artikel und Bild: Stefan Schmelting, © Ev. Kirchenkreis Kleve

Schön fand ich nicht nur die enorme Aufmerksamkeit der Zuhörerinnen und Zuhörer, sondern auch, dass Osman Güden mit seiner Frau die Veranstaltung besuchen und zum Schluss noch die eine oder andere Frage, das Ezidentum betreffend, beantworten konnte.